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Sprachlich gesehen könnte der Name
Piobesi von „territori pubblici“ abstammen: die Pluralform Publlicae wurde zu
Publice, sodann zu Piobes und schließlich zu Piobesi.
Piobesi - Plebejische Kirche S. Giovanni
Plebejische Kirche S. Giovanni
Wo heute die Kirche des Hl. Johannes
emporragt, gab es früher eine römische Siedlung, die ihrerseits auf einen
vorgeschichtlichen Ort zurückgeht; man fand hier einen Grabstein aus der
kaiserlichen Epoche, der nunmehr im Antiquitätenmuseum Turin ausgestellt ist,
sowie eine Inschrift am Kirchenportal.
Ein Grenzstein (im Inneren der Kirche)
und einige Pflastersteine bezeugen, dass an dieser Stelle einst eine römische
Straße entlang führte.
Erst kürzlich entdeckte man eine Apsis, die schon vor der
aktuellen Kirche errichtet worden ist, und den Säulenfuß eines Taufbeckens, der
vermuten lässt, dass dieser Ort bereits seit dem V. – VII. Jahrhundert Standort
für christliche Gebäude war.
Die aktuelle Kirche des Hl. Johannes ist eine
Pfarrkirche, die aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem X. Jahrhundert stammt;
sie wurde unter Wiederverwendung von römischen Resten auf den Grundmauern der
vorherigen Gebäude errichtet, wobei man sich von lombardischen und
transalpinischen Modellen inspirieren ließ, denn die drei Seitenschiffe haben
Ähnlichkeit mit den Kirchen von Amsoldingen, (in der Schweiz), Aime,
(Frankreich), Agliate, (Lombardei) und S. Paragorio in Noli, (Ligurien), nur
dass die Kirche von Piobesi keine Krypta vorweisen kann. In der Halbkuppel der
zentralen Apsis sind die Maiestas Domini und die Deesis dargestellt, Fresken, in
denen man die Neigungen des Kunstgeschehens in Turin im XI. Jahrhundert ablesen
kann.
Zu Füßen von ‚Christus auf dem Thron’ sind die zwölf Apostel dargestellt
und der verwendete Stil verweist auf die malerischen Zyklen der Ottonischen
Epoche. Sowohl in den zwei seitlichen Apsiden als auch auf anderen Wänden sind
Fresken aus dem XIV. - XV. Jahrhundert erhalten. Am 3. Oktober 1359 gaben der
aus Chamousset in Savoyen stammende Giovanni Pivart und seine Gemahlin
Guglielmina das
Freskoüber dem Kirchenportal in Auftrag: wir
sehen die Madonna mit dem Kind und an ihrer Seite zwei musizierende Engel, ein
Bildnis der zwei Auftraggeber sowie Johannes, den Täufer, und den Hl.
Christophorus.
Im Jahr 1717 wurde auf Geheiß der Verwalter der Kirche S.
Giovanni eine Kapelle zu Ehren des „Heiligen Namens der Maria“ errichtet, in der
ein interessantes Fresko aus dem fünfzehnten Jahrhundert erhalten ist.
Bis zum
Jahr 1835 fand die Weihe der neuen Pfarrer von Piobesi in der Kirche des Hl.
Johannes statt; erst später „verfügte“ man auch über die Pfarrkirche der
Natività di Maria Vergine, (Geburt der Jungfrau Maria).
Schloss
In der zweiten Hälfte des X.
Jahrhunderts wurde die hochmittelalterliche Curtis von Publice gegründet, die
fortan zum Vermögen des Bistums Turin gehörte.
Das Schloss wurde zwischen 1010
und 1037 unter Bischof Landolfo errichtet, im Jahr 1347 aber vom Heer der
Visconti zerstört.
Piobesi -
Schloss
Von dem ursprünglichen Schloss ist nur einer der vier im XIV. Jahrhundert errichteten Türme erhalten geblieben.
Im 19. Jh. wurde es in ein bürgerliches Anwesen umgewandelt und war für einige Jahre Residenz des Grafen Brassier von Saint-Simon, Botschafter von Preußen (für das Reich Sardinien).
Im Jahr 1863 hat sich George Perkins Marsh, erster US-Botschafter am Hof von Savoyen, hier aufgehalten, begleitet von seiner Gemahlin Caroline Crane.
Und dass diese Persönlichkeiten aus Kultur und Politik Spuren hinterlassen haben, ist auch heute noch einsehbar: Das Buch ‚MAN AND NATURE’ von G.P. Marsh, dessen erste Fassung während des Aufenthalts in Piobesi fertig gestellt wurde, kann als eine der ersten wissenschaftlichen Studien bezüglich der Veränderungen der Umwelt durch die Menschheit betrachtet werden, auf die sich auch heute noch Wissenschaftler und Experten aus aller Welt beziehen.
Vor kurzem wurde das Tagebuch seiner Gemahlin veröffentlicht, (Allemandi Verlag Turin), das ein interessantes und scharfsinniges Bild der Gesellschaft zu jener Zeit widerspiegelt, beschrieben aus der Sicht einer stark emanzipierten und sehr intelligenten, amerikanischen Frau.
Ihr Aufenthalt in Piobesi wird an zahlreichen Stellen erwähnt.
Seit 1998 gehört das Gebäude zum Gemeindeeigentum und man kann den mittelalterlichen Turm, die Säle im Erdgeschoss, die ehemalige Kapelle, (heutiger Sitz der Bibliothek), und den italienischen Garten besichtigen.
TETTI CAVALLONI
Dieser Vorort von Piobesi ist ein
klassisches Beispiel für die landwirtschaftliche Gegend südlich von Turin und
könnte auf eine der Siedlungen des antiken Publice zurückgehen.
Man kann nicht
nur die Altstadt besichtigen sondern auch eine Kapelle aus dem XVIII.
Jahrhundert, die von den Dorfeinwohnern errichtet wurde und der Allerheiligsten
Dreieinigkeit gewidmet ist. Das Gemälde des Hochaltars ist ein Werk des Malers
Agostino Cottolengo aus Bra, ein Bruder des Benedetto Cottolengo, dem Gründer
der Einrichtung "Piccola Casa della Divina Provvidenza, (Haus der Göttlichen
Vorsehung). Besichtigen Sie die zwei Öfen zum Brotbacken aus dem XVIII.
Jahrhundert, von denen einer noch heute in Funktion ist.
In Tetti Cavalloni
wurde im Jahre 1841 Teresa Petronilla Comoglio geboren, die gemeinsam mit ihrer
Schwester Giuseppina die Institution “L’adorazione quotidiana perpetua“
gründete. Derzeit läuft ein Verfahren zur Seligsprechung der zwei Schwestern.
Früher war dieser Ort von dichten Wäldern umgeben und aufgrund der reichhaltigen
Jagdbeute beliebtes Jagdziel des Königs Vittorio Emanuele, II.
Civic Tower, Bell-Tower, Houses and elegant XVth Century Palaces
Diese Gebäude wurden zwischen 1458 und 1461 errichtet, als der Turiner Bischof Ludovico von Romagnano die Gründung eines neuen Dorfes Piobesi wünschte und in Auftrag gab. Die runden Backsteinverzierungen des Palastes erinnern an die des Schlosses der Familie Della Rovere in Vinovo.
Von der Kirche der Hl. Maria aus dem Jahre 1461 sind nur zwei Spannweiten mit Kreuzgewölbe erhalten geblieben, die bei dem Bau der späteren Kirche im Jahre 1892 mit einbezogen wurden.
Stadthaus (Aymini Palast)
Beispiel für eine bürgerliche Residenz aus dem XIX. Jahrhundert.
GESCHICHTE DER HOLZSCHUHMACHER VON PIOBESI
Civic Tower, Bell-Tower, Houses and elegant XVth Century Palaces
Im Jahr 1876 gründeten die ‚Zoccolai’ von Piobesi eine Zunft, in welche alle Familien eintraten, die sich mit der Herstellung von Holzschuhen und der hierfür benötigten Klötze befassten, wobei vor allem Weidenholz verarbeitet wurde.
Früher war diese kleinstämmige Baumart sehr verbreitet, da ihre Äste zum Flechten von Körben dienten sowie zum Überziehen von Korbflaschen.
Es wurden Holzschuhe im Übermaß produziert und sodann in Turin, Moncalieri, Rivoli und in anderen kleinen Orten der Umgebung verkauft. Die Holzschuhmacher von Piobesi waren besonders tüchtig und so gab es aufgrund der guten Qualität und der perfekten Verarbeitung eine große Nachfrage für Holzschuhe aus Piobesi.
Im Frühling wurden zunächst nur die groben Klötze hergestellt, die sodann im Freien gelagert wurden. So kam es, dass man im Frühjahr in allen Hinterhöfen wahre „Türme“ von Weidenklötzen emporragen sah.
Im Herbst und im Winter, wenn die Arbeit auf den Feldern abnahm und den fleißigen Männern einige Monate Pause gewährte, nahmen die Klötze im Handumdrehen eine schlanke, bequeme und sogar ästhetisch elegante Form an.
Ein guter Holzschuhmacher schaffte es, während eines einzigen Arbeitstages, (mindestens 15 Arbeitsstunden), etwa fünfzig Paare herzustellen, die ihm in den Jahren vor dem Krieg die Summe von 15 bis 16 Lire einbrachten.
Nach dem Materialabzug betrug der tägliche Gewinn um die 6 Lire, was für die damalige Zeit eine beträchtliche Summe darstellte.
Während der Nachkriegszeit verminderte sich die Nachfrage an Holzschuhen und entsprechenden Klötzen aus Piobesi und das hatte verschiedene Gründe: Hauptgrund war die billigere mechanische Herstellung, die im Raum Piemont Überhand gewann. Das bedeutete das Aus eines Handwerks, das zahlreichen Familien unserer Gemeinde zu großem Wohlstand verholfen hatte.
Die Holzschuhmacherzunft lebt nur noch auf ihrer Fahne weiter, die alljährlich bei verschiedenen Gelegenheiten zur Schau getragen wird.
Derzeit zählt sie 200 sympathisierende Mitglieder und viele von ihnen stammen aus den alten Familien der Klotzhersteller.
Der Zunftvorsteher Mario Meinardi beruft jedes Jahr für den 24. Januar eine Mitgliederversammlung ein und lässt eine Messe zu Ehren des Heiligen Francesco di Sales lesen, dem Patron der Journalisten und - in Piobesi - dem Patron der Holzschuhmacher.
Anschließend essen alle Mitglieder gemeinsam zu Mittag.
Im Jahre 2000 hat die Gemeinde Piobesi Torinese unter dem Patronat der Provinz Turin erstmals einen „KURS FÜR HOLZSCHUHMACHER" organisiert.
Er umfasste 10 praktische Unterrichtseinheiten bei einem Holzschuhmachermeister, damit die Kunst der manuellen Holzschuhherstellung nicht in Vergessenheit gerät und die Holzschuhmacher-Tradition als Zeugnis ehemaliger Handwerksberufe weiterleben kann.
Im Jahr 2002 wurde der 2. Holzschuhmacher-Kurs organisiert, um dieser alten Tradition, die früher allerorts zugegen war, auch weiterhin die ihr gebührende Anerkennung zu zollen.
Für weitere Auskünfte: Tel. 0039 / 011 / 9657846 - Fax: 0039 / 011 / 9650978